Glücksspiel: Hängen Spielsucht und ADHS zusammen?

    Gibt es eine Verbindung zwischen der Krankheit ADHS und dem pathologischen Spiel? Genau dieser Frage sind unterschiedliche Forscher aus Spanien, den USA und Australien nachgegangen. Die interessanten Ergebnisse wurden jetzt vom „Journal of Attention Disorders“ veröffentlicht. Nachgewiesen werden konnten laut den Forschern bei 20 Prozent der Probanden mit einem problematischen Spielverhalten demnach auch Symptome der Konzentrationsstörung ADHS. Für die Forscher existiert demnach ein möglicher Zusammenhang.

    ADHS ein weltweites Problem

    Bei der Krankheit ADHS, der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, handelt es sich um eine emotionale Disfunktion des Körpers. Die psychische Erkrankung bringt den Betroffenen Konzentrationsprobleme, eine erhöhe Impulsivität oder eine chronische Hyperaktivität. In der Regel leiden die Betroffenen bereits am dem Kindesalter unter der Krankheit und werden diese bis zum Ende ihres Lebens nicht mehr los. In einigen Fällen verringern sich lediglich die Symptome, ganz verschwunden ind diese aber in der Regel nicht. Allein in Deutschland sollen rund fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen von der Krankheit betroffen sein, zudem leiden rund 50 bis 80 Prozent der Kinder mit ADHS auch im Erwachsenenalter unter der Krankheit. Worin genau die Ursachen für die weltweite Krankheit liegen, ist noch nicht ganz klar. Experten nennen aber Erbanlagen und auch Umwelteinflüsse als mögliche Gründe für den Ausbruch von ADHS.

    Gerade weil die ADHS-Symptome eine gewisse emotionale Regulationsproblematik mit sich bringen, ist der mögliche Zusammenhang mit der Glücksspielsucht für Forscher besonders interessant. Immerhin wurde bereits herausgefunden, dass auch pathologische Spieler häufig unter impulsiven Entscheidungen leiden. Diese führen dann zum Beispiel dazu, dass diese Spieler nach einem Verlust noch größere Einsätze platzieren. In der Studie haben die Wissenschaftler daher den möglichen Zusammenhang zwischen der ADHS-Symptomatik, den Glücksspielstörungen und auch generellen emotionalen Regulationsproblemen untersucht.

    Zusammenhänge laut Studie erkennbar

    Durchgeführt wurde die Studie in Spanien. Hierfür wurden 98 Testpersonen ausgewählt, bei denen es sich ausschließlich um männliche Probanden handelte. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 42,7 Jahren. Vor Beginn der Studie mussten die Teilnehmer verschiedene Fragebögen zur Selbstbeurteilung ausfüllen. Mit diesen sollte zum Beispiel geklärt werden, ob Symptome für ADHS vorhanden sind und in welcher Form sich diese zeigen. Bei der Auswertung der Teilnahmen kamen die Forscher anschließend zu dem Ergebnis, dass 23 Teilnehmer mit vorhandenen ADHS-Symptomen gleichzeitig auch Probleme mit dem eigenen Spielverhalten hätten. Für die Forscher steht damit fest, dass durchaus ein Zusammenhang zwischen den Symptomen der Krankheit und den emotionalen Regulationsproblemen vorhanden ist. Unterstrichen wird diese Einschätzung dadurch, dass laut der Studie offenbar schwerwiegendere emotionale Regulationsprobleme auch ein intensiveres Problem mit dem Glücksspiel nach sich ziehen.

    Die Forscher ziehen aus den Ergebnissen die Schlussfolgerung, dass die ADHS-Symptome ein möglicher Risikofaktor für das problematische Glücksspiel sein könnten. Immerhin würden 20 Prozent der Probanden mit einem problematischen Spielverhalten gleichzeitig auch die klinischen Merkmale einer ADHS-Erkrankung aufweisen. Hierzu zählen zum Beispiel die Störungen der exkutiven Funktionen, aber auch der Fähigkeit, Situationen korrekt einzuschätzen. Ebenso lassen sich Gemeinsamkeiten bei der Selbstkontrolle und Impulsivität erkennen. Eine Einschätzung, die man auch bei der Organisation „ADHS Deutschland e.V.“ teilt. Hier erklärt Dr. Astrid Neuy-Bartmann, dass die Spielsucht ein Thema sei, welches im Zusammenhang mit ADHS häufig unterschätzt und nicht beachtet werde. Dabei hätten aber gerade ADHS-ler einen ausgeprägten Spieltrieb und würden sich von den Gewinnen begeistern lassen. Diese Personengruppe sei daher sogar besonders anfällig für ein problematisches Spielverhalten.

    Spielsucht in der Wissenschaft immer häufiger ein Thema

    Gerade in den letzten Jahren haben sich Forschung und Wissenschaft immer häufiger und intensiver mit dem Thema Glücksspiel beschäftigt. Das belegen zum Beispiel Zahlen der britischen Glücksspielbehörde UK Gambling Commission. Diese legte jüngst einen Bericht mit einer Liste vor, in der sämtliche Organisationen zu finden sind, die im letzten Jahr finanziell von der Glücksspielbehörde unterstützt wurden. Die meisten Fördergelder kassierte dabei zum Beispiel der Gambling Research Exchange. Rund 2,2 Millionen Euro flossen an die Organisation im letzten Jahr, welche ein neues und innovatives Programm zur Bekämpfung und Prävention der Spielsucht ins Leben rufen soll.  Immerhin rund zwei Millionen Euro erhielt die Howard League for Penal Reform, welche sich gegen die Verbreitung der Spielsucht einsetzt und gleichzeitig eine Prävention vor Kriminalitätsproblemen bietet.

    Eingebunden werden Wissenschaft und Forschung immer häufiger auch beim Ausformulieren von gesetzlichen Vorgaben. Die Politiker und Behören nutzen die Ergebnisse der Forscher, um dann passende Regulierungsvorgaben zur Verfügung zu stellen. Gerade in den letzten Jahren hat diese Arbeit nicht nur zugenommen, sondern hat auch ein immer breiteres Themengebiet abgedeckt. Wurden zunächst vor allem Forschungen unmittelbar rund um das Spielverhalten durchgeführt, stehen jetzt auch weitere Einflüsse – wie in diesem Fall ADHS – im Fokus. In Großbritannien konnten Forscher jüngst herausfinden, dass sich das problematische Spielverhalten mittlerweile auch nicht mehr nur als rein männliches Problem zu erkennen gibt. Stattdessen würden immer mehr Frauen unter einem pathologischen Spielverhalten leiden, vor allem in den letzten Jahren ist die Anzahl hier stark in die Höhe gegangen. Auch hier sollen Umfragen und Studien jetzt herausfinden, wo genau die Ursachen liegen. Eine der größten Organisationen der Branche, die GamCare, hat speziell hierfür ein neues Hilfsprogramm nur für Frauen ins Leben gerufen.