Spanien: Finanzbehörde stimmt Glücksspiel-Werbeverbot zu

    Obwohl das Glücksspiel und speziell das Online-Glücksspiel in Europa immer stärker wachsen, gibt es gleichzeitig auch immer strengere Regulierungsmaßnahmen. Aktuell geht durch ganze Europa eine Welle der Reduzierung für die Werbemaßnahmen, so dass zum Beispiel in Italien seit einigen Monaten keine Werbung mehr für Glücksspielunternehmen erlaubt ist. Diesen Weg strebt man offenbar auch in Spanien an. Und grünes Licht der Finanzbehörde hat der zuständige Glücksspiel-Ombudsmann für seine Vorschläge bereits erhalten.

    Droht Spanien ein Werbeverbot?

    Francisco Fernandez Marugan ist seines Zeichens der Glücksspiel-Ombudsmann Spaniens und soll dafür sorgen, dass der spanische Glücksspielmarkt besser und effektiver reguliert werden kann. Dringenden Bedarf sieht der Fachmann ganz offenbar im Bereich der Werbemaßnahmen. Bereits vor mehreren Monaten hat Marugan den spanischen Behörden ein Papier vorgelegt, in welchem verschiedene Maßnahmen zur Reduzierung der Glücksspielwerbung vorgeschlagen werden. Angestrebt wird vom Glücksspiel-Ombudsmann demnach ein komplettes Werbeverbot für die Glücksspielbranche, welches lediglich bei zwei Lotterie-Unternehmen nicht greifen solle. Diese würden einen Teil ihrer Einnahmen für die Unterstützung von sozialen Einrichtungen aufbringen und sollten demnach nicht betroffen sein, so das Papier von Marugan.

    Nachdem die spanische Finanzbehörde die Vorschläge über mehrere Monate prüfen ließ, wurde in den vergangenen Tagen jetzt das okay für das Werbeverbot gegeben. Marugan kann damit einen großen Erfolg vorweisen und erklärt, dass Glücksspiel die gesamte Gesellschaft des Landes betreffe und dementsprechend klare regulatorische Rahmen auch für die Werbung geschaffen werden müssten. Die Regierungspartei PSOE erklärte ihren Zuspruch für die Vorschläge von Marugan und gab bekannt, möglichst zügig entsprechende Gesetze ins Parlament einbringen zu wollen. Die Glücksspielbehörden wiederum erklärten, dass man von der Einführung eines derartigen Werbeverbots noch ein ganzes Stück entfernt sei. Dennoch ist klar deutlich, dass die stetig andauernden Diskussionen um eine zusätzliche Regulierung der Glücksspielunternehmen langsam ihre Früchte tragen könnten.

    Europäische Riege setzt sich für Werbebeschränkungen ein

    Dass auch in Spanien jetzt wieder Diskussionen über ein Werbeverbot für die Glücksspielbranche entflammen, scheint angesichts der Entwicklung in den letzten Wochen in ganz Europa nicht unbedingt überraschend. Die europäischen Länder stehen dem Glücksspiel zwar grundsätzlich immer offener gegenüber, wollen gleichzeitig aber mit Beschränkungen die Kontrolle über die Märkte behalten. Immer wieder Ziel der Einschränkungen sind dabei die Werbemaßnahmen. In Italien wurde im letzten Jahr schon ein Werbeverbot verabschiedet, welches die TV- und Radio-Branche betrifft. Hier ist es seit einigen Monaten für die Glücksspielunternehmen verboten, Werbung für das eigene Portfolio zu machen. Diese Entscheidung sorgt mittlerweile für viel Kritik und das nicht nur bei den Glücksspielunternehmen. Jüngst erst beklagte sich der italienische Medienverband darüber, dass man der Branche durch die Einschränkungen vor allem finanziell schwer zusetzen würde. Zusätzlich dazu gibt es einen Konflikt mit den europäischen Gesetzen. Medienunternehmen mit Sitz außerhalb Italiens sind vom italienischen Gesetz natürlich nicht betroffen. Diese können also mit Sitz außerhalb des Landes trotzdem Glücksspielwerbung in Italien ausstrahlen. Der Verband sieht eine große Benachteiligung der heimischen Unternehmen.

    In Großbritannien ist die Einführung eines generellen Werbeverbots ebenfalls bereits seit geraumer Zeit ein wichtiges Thema. Komplett umgesetzt wurde dieses bisher noch nicht, dennoch drohen auch den britischen Glücksspielunternehmen in der Heimat Beschränkungen. Um hier zumindest künftig ein Wörtchen mitreden zu können, haben verschiedene Branchengrößen daher einen neuen Glücksspielverband ins Leben gerufen – das Betting and Gambling Council. Dieses soll künftig unter anderem den Austausch zwischen den Behörden und der Branche verbessern, wodurch starke Restriktionen im besten Fall vermieden werden sollen. Ob das klappt, ist allerdings unklar. Die britischen Glücksspielbehörden haben sich in den letzten Jahren immer wieder als besonders konsequent entpuppt. Neben Großbritannien und Italien streben zudem auch die skandinavischen Länder Schweden und Norwegen ein Totalverbot für die Glücksspielwerbung an.

    Auswirkungen auf den spanischen Markt noch nicht absehbar

    Welche Auswirkungen die Beschränkungen auf den spanischen Glücksspielmarkt haben werden, lässt sich aktuell noch nicht absehen. Stattdessen wird von Experten bisher nur spekuliert. Diese sind jedoch der Meinung, dass der Branche natürlich große finanzielle Einbußen drohen. Aber nicht nur der Glücksspielbranche, sondern auch den Medienunternehmen. Die Glücksspielbranche erwirtschaftet im letzten Jahr Gewinne von rund 700 Millionen Euro und legte damit wieder einmal ein gutes Wachstum hin. Denkbar, dass dieses künftig durch ein Werbeverbot deutlich ausgebremst werden wird. Als fast schon sicher gilt aber, dass auch in Spanien keinesfalls alle Beteiligten eine etwaige Gesetzesänderung stillschweigend akzeptieren dürften. Ob diese also tatsächlich in der nahen Zukunft umgesetzt wird, bleibt weiterhin erst einmal fraglich. Sollte dies nicht geschehen, werden die Diskussionen aber sicherlich ebenfalls nicht abnehmen.

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