Spanien: Branchenverband stimmt Werbebeschränkungen zu

    In Italien und Großbritannien hat das Werbeverbot für die Glücksspielbranche in den letzten Monaten bereits sein „Unwesen“ getrieben. Jetzt wurde auch das Land Spanien von der Debatte erreicht. Tatsächlich tobt diese schon ein wenig länger, jetzt allerdings kam es zu einem Treffen zwischen dem Branchenverband „CeJuego“ und dem zuständigen spanischen Minister für Verbraucherschutz, Alberto Garzòn.

    CeJuego spricht sich für Werbebeschränkungen aus

    In Spanien zieht die Debatte um die Werbebeschränkung für die Glücksspielbranche weiter ihre Kreise. In der Vergangenheit hatten mehrfach Kritiker gefordert, dass die spanischen Behörden die Werbemaßnahmen der Glücksspielanbieter stärker kontrollieren sollen. In diesem Zusammenhang kam es jüngst zu einem Treffen zwischen dem spanischen Minister für Verbraucherschutz und dem Verband der privaten Glücksspielanbieter „CeJuego“. Bereits vor dem Treffen teilte der Verbraucher mit, dass man gemeinsam Regeln für ein Dekret erarbeiten wolle. Dieses Dekret solle in naher Zukunft dann mit Vertretern der Glücksspielbranche und Verbraucherschützern finalisiert werden.

    Die Branche machte dabei eine Menge Zugeständnisse. So teilte der Verband mit, dass man die Meinung des Ministers teile, dass die Werbung für Online Glücksspiele künftig beschränkt werden muss. Ausgestrahlt werden solle diese nur noch bei bestimmten Sportveranstaltungen und auch nur zu Sendezeiten des Erwachsenenfernsehens. Auf  diesem Wege sollen vor allem Kinder und Jugendliche vor der Werbung geschützt werden.

    Branche fordert Umsetzung für alle Glücksspielanbieter

    Ein weiteres Zugeständnis: Die Unternehmen gaben an, künftig darauf zu verzichten, Bonusangebote oder aktuelle Wettquoten für Sportwetten zu bewerben. Inhaltlich sollen sich die Spots stattdessen künftig ausschließlich auf Informationen beschränken. Bei allen Zugeständnissen teilte der Branchenverband jedoch auch mit, dass man die Umsetzung der Regelungen für die gesamte Branche fordere. So müssten diese nicht nur von den privaten Anbietern umgesetzt werden, sondern auch von den staatlichen Unternehmen – zum Beispiel in der Lotterie. Der Branchenverband teilte in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach mit, dass man sich gegenüber der staatlichen Branche deutlich benachteiligt sehe. Die privaten Unternehmen müssten deutlich mehr Beschränkungen beachten. Gestützt wird diese Aussage gerade durch ein neues Urteil in der Gemeinschaft Valencia. Hier wurde festgelegt, dass Wettbüros der Bars mit Spielautomaten einen Abstand von mindestens 850 Metern zu Schulen beachten müssen. Kritiker sehen hierin die Fortführung des verschleierten Verbots der privaten Branche. Es überrascht daher nicht wirklich, dass „CeJuego“ diese Forderung mit in die Verhandlungen einbringt.

    Ebenfalls betont wird von der Branche, dass bei allen regulatorischen Vorgaben auch die Verhältnismäßigkeit beachtet werden solle. So erklärte der Geschäftsführer von „CeJuego“, Alejandro Landaluce, dass man bereits seit Jahren die Einführung von Werbebeschränkungen für die Branche fordere. Allerdings sei man mit dem geplanten Vorhaben, die Wettbüros erst ab 22 Uhr öffnen zu dürfen, nicht einverstanden. Hierbei würde es sich um eine unverhältnismäßige Regel handeln, die zudem haufenweise Arbeitsplätze bedrohen dürfte. Gut 85.000 Menschen sind im Glücksspielsektor beschäftigt. Die Beschränkung der Öffnungszeiten auf nach 22 Uhr stelle laut Landaluce eine enorme Einschränkung der unternehmerischen Freiheit dar. Zudem erklärte der Geschäftsführer: „Für Minderjährige ist Alkohol verboten. Was machen wir also mit den Bars? Werden sie auch erst ab 22 Uhr abends öffnen? Minderjährige dürfen keinen Alkohol kaufen. Wo wird Alkohol verkauft? In den Supermärkten. Was machen wir, die Supermärkte verbieten?“

    Europäische Branche von Werbeverbot betroffen

    Zustimmung gab es für die Äußerungen von CeJuego von einem anderen Glücksspielverband – Jdigital. Hierbei handelt es sich um den Branchenverband für das Online-Glücksspiel in Spanien. Auch dieser teilte mit, dass man eine gerechte Regulierung der Glücksspielwerbung unterstütze. Hier müsse man aber die Verhältnismäßigkeit bewahren. Auch in Spanien steht die Branche damit eng zusammen und scheint so ein Komplettverbot der Werbemaßnahmen umgehen zu können. Erfahrungen von anderen Märkten zeigen allerdings, dass die Debatte in der Regel über eine lange Zeit geführt wird. Das belegt der Blick nach Großbritannien. Hier wurde die Branche vor einiger Zeit rund um die Werbung bereits deutlich eingeschränkt. Ausgestrahlt werden dürfen die Werbespots nur noch zu bestimmten Sendezeiten und nicht mehr während der Übertragung von Live-Sportevents. Noch immer sind damit aber nicht alle Kritiker einverstanden.

    Immer wieder werden zum Beispiel Forderungen nach einem Verbot für die Trikotwerbung in der Premier League laut. Zahlreiche Clubs der höchsten britischen Spielklasse laufen mit dem Logo eines Glücksspielanbieters auf. Der Präsident der Premier League erklärte jüngst aber, dass man hier erst einmal Untersuchungen abwarten wolle, bevor die Trikotwerbung verbannt wird. Zudem würde es eine lange Historie zwischen dem Profi-Fußball und der Glücksspielwerbung geben. Erreichen dürfte die Debatte um die Werbebeschränkungen für die Branche zeitnah auch die Bundesrepublik. In ersten Gesprächen rund um einen neuen Glücksspielstaatsvertrag war bereits zu vernehmen, dass hier Interesse bestehen könne. In Deutschland soll der Glücksspielvertrag reformiert werden. Spätestens ab Mitte 2021 soll das Glücksspiel dann in neuen und besser organisierten Bahnen verlaufen. Die Verhandlungen mit den Branchenverbänden stehen in diesem Monat auf dem Kalender. In den kommenden Wochen dürfte sich dann auch zeigen, ob die deutsche Branche künftig ebenfalls mit Beschränkungen zu kämpfen haben wird. Und wenn ja, wie diese konkret aussehen werden.

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