Niederlande: Riesen Ansturm auf Online-Lizenzen

    Im deutschen Nachbarland Niederlande passiert derzeit etwas, wovon die deutsche Glücksspielbranche mehr oder weniger träumt. Bereits Anfang des Jahres wurden die Rahmenbedingungen für das Glücksspiel im Internet in den Niederlanden enorm überarbeitet. Die Folge: Auch private Unternehmen dürfen ihre Spielangebote mit einer entsprechenden Lizenz hier künftig zur Verfügung stellen. Vor allem für die zuständigen Behörden bedeutet das offenbar eine ganze Menge Stress, denn der Ansturm auf den sich im Eröffnungszustand befindlichen Markt ist riesengroß.

    Im Februar wurde der neue Weg eingeleitet

    In der niederländischen Glücksspielwelt gibt es derzeit eine Menge zu tun. Im Februar hat die Politik des Landes beschlossen, das geltende Glücksspielgesetz zu überarbeiten. Geschwächt wird auf diese Art und Weise die Position des staatlichen Monopolisten vom Holland Casino, der bis dato die einzige Lizenz besaß, um in den Niederlanden sein Spieleportfolio stationär und online zur Verfügung zu stellen. Aber: Zeiten ändern sich und so wurde das Glücksspielgesetz im Februar reformiert. Mit der Folge, dass hier künftig auch private Unternehmen aus dem europäischen Ausland ihre Spieleportfolios zur Verfügung stellen dürfen. Die einzige Voraussetzung hierfür wird dann eine Lizenz der Kaanspelautoriteit, also der niederländischen Glücksspielbehörde, sein.

    Diese wiederum möchte erst einmal ausloten, wie viele Anbieter und Unternehmen überhaupt an einer Aktivität auf dem niederländischen Markt interessiert sind. Aus diesem Grund wurde auf der Webseite ein eigener Bereich für die Vor-Bewerbungen ins Leben gerufen, welcher am 5. Juni 2019 geöffnet wurde. Anbieter, die an einer Lizenz in den Niederlanden interessiert sind, können ihr Interesse hier bereits bekunden und sollen dies laut Behörde bis zum 21. Juni 2019 getan haben. Die Resonanz ist überwältigen: Bereits rund 80 Vor-Bewerbungen wurden von verschiedenen Unternehmen eingereicht.

    Ansturm größer als erwartet?

    Obwohl die Glücksspielbehörde des Landes natürlich bereits seit Februar mit den Vorbereitungen für die Marktöffnung beschäftigt ist, scheint man die ganze Sache ein bisschen unterschätzt zu haben. So wurde erst vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass der eigentliche Fahrplan für die Marktöffnung wohl nicht ganz genau eingehalten werden kann. In Kraft treten soll das neue Gesetz bereits ab 2020. Erst gut ein Jahr später sollen dann allerdings die ersten Lizenzen ausgegeben werden. Aufgestellt werden müssen demnach wohl noch wichtige Rahmenbedingungen für das Spiel, welche bisher erst in einem groben Umfang definiert wurden. Welche Anbieter sich genau für die Vor-Bewerbungen haben eintragen lassen, hat die Behörde bisher nicht mitgeteilt.

    Allerdings ist davon auszugehen, dass auch in den Niederlanden zahlreiche große Unternehmen die Chance auf gute Geschäfte sehen. Vor allem die „Big Player“ der Branche dürften also zu den Vor-Bewerbern zählen und hier den nächsten großen Markt erobern wollen.

    Was macht das Holland Casino?

    Gerade für die ausländischen Glücksspielunternehmen war die Entscheidung im Februar natürlich wegweisend und erleichternd. Weniger erfreut dürfte über diese Entscheidung das Holland Casino gewesen sein. Immerhin hatte man bis zum Februar eine Monopolstellung auf dem Markt, auch wenn diese zumindest im Bereich des Online-Spiels nie so richtig ausgenutzt wurde. Der Fokus lag vor allem auf dem stationären Betrieb – möglicherweise ein Versäumnis, welches dem Anbieter jetzt teuer zu stehen kommt. Davon möchte man beim Konzern jedoch nichts wissen. Hier wurden erst einmal die Verkaufspläne auf Eis gelegt und stattdessen fast 40 Millionen Euro in den Ausbau der Spieletablissements und Spielautomaten gesteckt. Offenbar scheint sich der Anbieter also für den Großangriff der Konkurrenz zu wappnen.

    Unterstützt wird dieser Eindruck dadurch, dass auch das Holland Casino bereits vor einigen Monaten eine kampfeslustige Ansage in die Welt hinaus schickte. So erklärte Chef Erwin Van Lambaart damals: „Mit der Umsetzung unserer Strategiepläne HC2020, gemäß derer wir zum besten Glücksspielunternehmen Europas werden wollen, liegen wir gut im Zeitplan. Die Vorbereitungen auf unsere digitalen Angebote laufen auf Hochtouren, so dass wir schon bald bereit sein werden, wenn der Online Markt eröffnet wird. Bei all dem berücksichtigen wir permanent unsere Verantwortlichkeit in Bezug auf die Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit gegenüber den Kunden.“ Eine satte Ansage also, die nicht unbedingt Nervosität verspüren lässt. Dennoch gehört zur ganzen Wahrheit natürlich, dass der Druck auf das Holland Casino in der kommenden Zeit so hoch sein wird wie noch nie. Zahlreiche ausländische Unternehmen werden auf den Markt drängen und sind im digitalen Bereich in aller Regel schon deutlich erfahrener. Hier hat der Konzern sein Monopol in den letzten Jahren nämlich kaum beachtet und kein attraktives Digitalangebot ins Leben gerufen. All das wird nun also versucht, nachzuholen – und das mit der starken Konkurrenz im Rückspiegel.

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