Mexikos Glücksspielegalisierung: Wille vorhanden, Mittel nicht?

    Mit einer funktionierenden Glücksspielbranche kann die Wirtschaft einer Nation stark vorangetrieben werden. Das funktioniert in der Regel selbst dann, wenn das Land selber nicht unbedingt mit einer Top-Wirtschaft ausgestattet ist und zum Beispiel kein großes BIP pro Kopf vorweisen kann. Wie wichtig eine Glücksspielregulierung somit ist, hat man auch in Mexiko erkannt. Der Wille, den eigenen Glücksspielmarkt zu reformieren, ist dort bereits seit längerer Zeit vorhanden. Es scheint allerdings ganz so, als würde es dem Land zumindest aktuell noch an den notwendigen Mitteln hierfür fehlen.

    Schwieriger Kurs der mexikanischen Politik

    Mexiko möchte den eigenen Glücksspielmarkt reformieren und damit künftig das Wachstum der eigenen Wirtschaft vorantreiben. Das ist erst einmal keine neue Meldung, denn die Mexikaner sind bereits seit einer geraumen Weile damit beschäftigt, an einer Reform der Glücksspielbranche zu arbeiten. Das Problem: Es hapert an der Umsetzung und diese geht dementsprechend nur sehr, sehr schleppend voran. Daraus resultieren neue Probleme: Während nämlich kein richtiger Glücksspielmarkt ins Leben gerufen wird, geht der Staat trotzdem streng und hart gegen vermeintlich illegale Anbieter vor. Die Folge ist eine hohe Verunsicherung bei den Spielern, gleichzeitig wächst der Schwarzmarkt durch das Ausbleiben einer legalen Alternative. Ein Umstand, der verändert werden soll. Mexiko möchte die wirtschaftlichen Chancen durch die Glücksspielbranche wahrnehmen, muss hierfür aber noch den notwendigen Weg „abstecken“.

    Doch warum ist das Land in dieser Hinsicht eigentlich noch so „rückständig“ und hat bislang noch keinerlei ernsthafte Bemühungen für eine Liberalisierung unternommen? Anders als in vielen anderen Nationen auf dieser Welt, ist das Glücksspiel in Mexiko nicht unbedingt historisch verankert. Ganz im Gegenteil, denn das Glücksspiel wurde per Gesetz auf dem gesamten mexikanischen Nationalgebiet sogar verboten – zumindest bis zum Jahre 2004. Hier änderte die Regierung ihren Kurs und entschied sich dazu, zumindest eine kleine Liberalisierung voranzutreiben und erste stationäre Casinos im Land zuzulassen. Heißt also: Erst seit gut 15 Jahren können die Mexikaner in ihrer Heimat ein Casino besuchen und hier ihr Glück herausfordern. Das wiederum war bisher auch immer ein gutes Argument der US-amerikanischen Casinos, die allein durch ihre Existenz dafür sorgten, dass viele Mexikaner zum Spielen über die Grenze gefahren sind. Auch dieser wirtschaftliche Aspekt dürfte damals bei der Entscheidung also eine Rolle gespielt haben.

    Online-Glücksspiel blieb außen vor

    Seit der veränderten Strategie ab 2004 hat sich das Bild dann ein bisschen gewandelt. Zahlreiche US-amerikanische Unternehmen erkannten die neuen Möglichkeiten in Mexiko und so wurden hier binnen weniger Monate und Jahre zahlreiche Spielstätten ins Leben gerufen. Und die wirkten wiederum ihren Reiz auf die US-Amerikaner aus, welche für ein paar Spielrunden ebenfalls den Weg über die Grenze auf sich nahmen. Das Problem: Genau wie viele andere Länder auch, hat sich Mexiko vor allem bzw. ausschließlich auf die Legalisierung des stationären Marktes konzentriert. An das Online-Glücksspiel hat zur damaligen Zeit noch niemand denken wollen. Dementsprechend wurden Online-Angebote 2004 bei der Legalisierung nicht mit einbezogen. Das wollte man zwar rund zehn Jahre später noch nachholen, kurioserweise hat der Senat hinsichtlich der Ratifizierung der Online Casinos und Sportwetten Anbieter aber bis heute noch keine Entscheidung getroffen.

    Ein entscheidendes Argument dafür, diesen Schritt möglichst zügig nachzuholen, liefern die ausbleibenden Steuereinnahmen. Das Geld der Mexikaner fließt in der Regel ungehindert zu den ausländischen Anbietern und damit auch aus dem Land heraus. Mit dem neuen Gesetzesentwurf soll der Geldfluss also ein wenig umgelenkt werden – das Geld soll in Mexiko bleiben. Ebenfalls ein gutes Argument für die Legalisierung der Online-Branche lieferte jüngst die mexikanische Zeitung „Cadena Noticias“. Diese erklärte, dass das Land seit 15 Jahren in der Wirtschaft vom Glücksspiel profitiere. So seien zahlreiche Menschen direkt in der Glücksspielbranche beschäftigt, andere indirekt zum Beispiel bei IT-Unternehmen oder Software-Entwicklern.

    Einrichtung einer Kontrollbehörde für die Überwachung des Marktes

    Als wichtigste Herausforderung gilt in Mexiko erst einmal, eine staatliche Kontrollbehörde für den Glücksspielmarkt ins Leben zu rufen. Die soll dann künftig darüber entscheiden, welche Unternehmen mit einer Lizenz für den Online-Betrieb ausgestattet werden. Zusätzlich dazu soll sich die Behörde um die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben kümmern und regulierend einschreiten. All dies hängt allerdings an der Entscheidung des Senats, der das neueste Glücksspielgesetz es Landes absegnen muss. Bis dahin wird sich Mexiko weiterhin vornehmlich auf den Kampf gegen das illegale Glücksspiel beschäftigen müssen. Und der tobt in den letzten Monaten und Jahren unerbittlich. Die Strafverfolgungsbehörden führen zahlreiche Razzien durch und sind dabei auf der Suche nach illegalen Geldspielgeräten. Jeder einzelne Automat muss in Mexiko durch den Staatsekretär abgesegnet und genehmigt werden. Dies trifft allerdings nur auf einen geringen Teil der Automaten zu, so dass die Behörden in den vergangenen Monaten einige beeindruckende Erfolge im Kampf gegen das illegale Spiel vorweisen konnten. Vor allem der Schutz der Minderjährigen und problematischen Spieler spielt dabei offenbar eine wichtige Rolle. Dennoch handelt es sich hierbei um Mühen, die letztendlich eingespart werden könnten, wenn Mexiko das neue Glücksspielgesetz auf den Weg bringt. Und die Kraft der Ermittler könnte an anderen Stellen auch noch sinnvoller eingesetzt werden.

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