GVC Holdings: Trotz Verlustwarnung kein Grund zur Sorge

    Mittlerweile ist längst klar, dass das Corona-Virus (Covid-19) neben der menschlichen Gesundheit auch die Wirtschaftsleistung der Länder massiv gefährdet. Auch in Deutschland sind zahlreiche Änderungen bereits zu spüren. Geschäfte müssen schließen, selbst in der Bundesliga ruht der Ball. Und genau damit kommt es zu einem massiven Problem für zahlreiche Glücksspielunternehmen. Wer sich bislang ausschließlich auf die Wetten fokussiert hat, könnte echte Probleme bekommen. Auch die GVC Holdings hat jetzt jüngst eine Verlustwarnung an seine Aktionäre herausgegeben. Allerdings sieht sich der Konzern aufgrund seiner weiteren Produkte im Portfolio dennoch solide aufgestellt.

    Flutter Entertainment und GVC Holdings mit Verlustwarnungen

    Es gibt derzeit kaum eine Branche, die nicht durch das Corona-Virus betroffen ist oder sogar komplett lahmgelegt wird. Die Situation ist speziell für Unternehmen in der Glücksspielbranche bedenklich. Stationäre Umsätze können aktuell gar nicht generiert werden. Und auch online stockt das Geschäft gewaltig. Immerhin wurden alle relevanten Sportveranstaltungen und Wettbewerbe der kommenden Wochen einfach abgesagt. Als Folge dessen mussten nun die beiden Glücksspielriesen von GVC Holdings und Flutter Entertainment eine millionenschwere Verlustwarnung an ihre Aktionäre herausgeben. Flutter-CEO Peter Jackson sprach bei der Bekanntmachung der Verlustwarnung von einer beispiellosen Herausforderung, vor der sich das Unternehmen und die Industrie derzeit befinde. Die globale Annullierung der Sportveranstaltungen werde einen „erheblichen Einfluss auf die Einnahmen und das Ergebnis der Gruppe habe“, so Jackson.

    Wie dramatisch Flutter Entertainment betroffen sein dürfte, zeigen ganz einfache Zahlen. Rund 78 Prozent der Gesamteinnahmen seien 2019 durch die Wetten auf Sportereignisse erzielt wurden. Nun allerdings wurde zum Beispiel die Europameisterschaft im Fußball abgesagt bzw. auf 2021 verschoben. in der Champions- und Europa-League wird pausiert. Aus diesen Gründen, so der CEO, sei mit einem Rückgang beim EBITDA (Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) von mindestens 98 Millionen Euro zu erwarten. An die Aktionäre gerichtet erklärte Jackson, dass man eine Verlustwarnung über rund 121 Millionen Euro aussprechen müsse.

    In der Krise nichts dem Zufall überlassen

    Wie eklatant die Auswirkungen der Krise auf lange Sicht ausfallen werden, könne man laut Jackson bisher noch nicht erkennen. Immerhin, so der CEO, sei das Geschäftsergebnis der ersten zwei Monate höher ausgefallen als erwartet. Weiter teilte Jackson mit, dass man jetzt in der Krise nichts dem Zufall überlassen wolle und sich daher nun auf den Schutz der Mitarbeiter und Kunden konzentriere. Konkret gab Jackson an: „Wir konzentrieren uns jetzt auf den Schutz unserer Mitarbeiter und Kunden. Wir werden in dieser Hinsicht nichts dem Zufall überlassen. Auch wenn unsere Rentabilität kurzfristig durch die weltweite Krise beeinträchtigt ist, wird sich der Vorstand weiterhin auf den Schutz und die Führung des Unternehmens in diesen turbulenten Zeiten fokussieren.“ In der Tat sind diese Zeiten speziell bei Flutter enorm turbulent. Der Mutterkonzern von Paddy Power Betfair, FanDuel oder Sportsbet ist tief im Sportwettengeschäft verankert. Laut eigenen Schätzungen geht man davon aus, dass bis mindestens Ende August in den großen Sportligen nicht mehr gespielt wird.

    Aber: Der Konzern, der weltweit rund 7.900 Mitarbeiter beschäftigt, plant bereits seit geraumer Zeit eine Fusion mit The Stars Group – und die könnte aus dem finanziellen Tal helfen. Immerhin ist The Stars Group vor allem im Pokergeschäft aktiv. Auch hier sei man zwar von dem Corona-Virus betroffen, heißt es vom Konzern, dennoch wurden mehr als 60 Prozent der Gesamtumsätze 2019 mit Poker und Casinospielen erzielt. Flutter erhofft sich daher, die eigenen Zahlen durch diese Produkte schon bald wieder steigern zu können.

    GVC sieht eigene Existenz nicht bedroht

    Ebenfalls enorm stark betroffen ist laut eigener Aussage auch das Glücksspielunternehmen der GVC Holdings. Der Mutterkonzern von bwin, Sportingbet oder Ladbrokes Coral hat sogar eine noch höhere Verlustwarnung an seine Aktionäre herausgegeben. Wie Konzernchef Kenneth Alexander mitteilte, werde das EBITDA um rund 166,1 Millionen Euro zurückgehen. Bis Ende 2020 werden sich die Verluste demnach auf rund 140 Millionen Euro belaufen. Auch die GVC Holdings rechnet laut Alexander nicht damit, dass der Profifußball vor Sommer 2020 wieder seinen Betrieb aufnehmen wird. Zudem werden mit großer Wahrscheinlichkeit alle wichtigen Pferderennen, wie das Royal Ascot 2020, abgesagt. Wackelig: Bisher ist das Einzelhandelsgeschäft in Großbritannien noch nicht stark betroffen, dafür aber in anderen Ländern. Sollte auch der britische Markt wegbrechen, droht eine Verringerung des EBITDA um weitere 55 Millionen Euro – pro Monat.

    Trotz dieser Drucksituation und einem Sportwetten-Anteil von rund 45 Prozent an den Nettoeinnahmen in 2019 sieht sich die GVC Holdings in dieser schweren Zeit aber noch solide aufgestellt. Alexander erklärte: „Obwohl wir die Herausforderung, die Covid-19 darstellt, nicht unterschätzen, ist GVC in einer robusten Position, um die Auswirkungen zu bewältigen. Wir sind ein vielseitiges globales Unternehmen mit einem erfahrenen und fachkundigen Managementteam, welches über mehrere Verticals und Märkte hinweg tätig ist.“ Vor allem also aufgrund der weiteren Produkte sieht sich die GVC in einem vergleichsweise ruhigen Fahrwasser.