Großbritannien: Kippt das Glücksspielgesetz in England?

    Es vergeht keine Woche, in denen das Glücksspiel und das Glücksspielgesetz in Großbritannien nicht Bestandteil von Spekulationen und Gerüchten sind. Auch aktuell ist es hierfür wieder einmal Zeit, denn die Opposition im britischen Parlament teilten mit, dass man das Glücksspielgesetz stark überarbeiten wolle, sollte man sich in der Wahl am 12. Dezember durchsetzen können. Ganz besonders im Fokus steht dabei wenig überraschend der Spielerschutz, der laut einem Manifest der Labour-Partei künftig massiv gestärkt werden soll.

    Glücksspielgesetz aufgrund des Alters immer wieder in der Kritik

    Eigentlich vermeldete die Glücksspielbranche in Großbritannien in den letzten Tagen wieder etwas bessere Laune. Immerhin teilte der wohl bekannteste Glücksspielgegner des Landes, Tom Watson, mit, dass er sich künftig vom Kampf gegen das Glücksspiel zurückziehen wolle. Die Freude darüber wird allerdings schon wieder massiv auf die Probe gestellt. Denn: Auch nach dem Rückzug von „Frontmann“ Watson scheint sich die Labour-Partei weiterhin mit dem Kampf gegen das Spiel und mit möglichen Problemen durch das Spiel beschäftigen. Eigentlich hofften Teile der Branche darauf, dass dieses Thema durch den Rückzug von Watson künftig etwas weniger Aufmerksamkeit bekommen würde. Dieser Plan scheint nicht aufzugehen. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte die Labour-Partei jetzt ein Manifest, mit dem man die künftige Behandlung des Glücksspielwesens in Großbritannien verändern möchte.

    Besonders wichtig seien der Partei demnach vor allem zwei Punkte. Zum einen müsse der Spielerschutz noch einmal zusätzlich intensiviert werden, heißt es in dem Manifest. Dies könne man wiederum nur durch eine umfangreiche Novelle des Glücksspielgesetzes erreichen. Kritisiert wird vor allem das Alter des Glücksspielgesetzes, welches bereits im Jahre 2005 ins Leben gerufen wurde. Kritiker bemängeln, dass sich das Gesetz damit vor allem auf die stationäre Glücksspielbranche fokussiere, die digitale Branche aber außen vor bleibe. Deshalb müsse man das neue Glücksspielgesetz jetzt „fit für das digitale Alter“ machen.

    Konkrete Forderungen werden aufgestellt

    In ihrem Manifest stellt die Labour-Partei daher verschiedene Forderungen auf, die für diese digitale „Renovierung“ erforderlich seien. Konkret heißt es hierin zum Beispiel dass noch stärker auf die Einsatzlimits geachtet werden soll. Diese greifen bisher vor allem im stationären Betrieb, online können die Spieler allerdings deutlich größere Einsätze platzieren. Hier möchte die Labour-Partei künftig offenbar eine Anpassung. Ebenso sollen die Unternehmen dazu aufgefordert werden, mit ihren Einnahmen die Finanzierung von Glücksspielforschungen voranzutreiben. Auf der anderen Seite „regnet“ es allerdings auch Verbote. So plant die Labour-Partei laut ihrem Manifest, dass die Glücksspielwerbung noch stärker als ohnehin schon eingeschränkt werden soll. Ebenso sollen die Kreditkarten künftig dann nicht mehr als Zahlungsmittel bei den Online-Glücksspielanbietern dienen.

    Technisch gesehen verlangt das Manifest die Einführung von neuen Beschränkungen für das digitale Spiel. Wie genau diese aussehen sollen, wird im Manifest allerdings nicht genauer beschrieben. Dafür äußert sich die Labour-Partei in ihrem Manifest zu den VIP-Programmen der Glücksspielanbieter und fordert, dass diese künftig abgeschafft werden. Genau das Gleiche soll in den Augen der Partei für kleine Geschenke und Extras gelten, mit denen die Unternehmen die Spieler langfristig an sich binden wollen.

    Betroffenen der Glücksspielsucht besser helfen

    Während die genannten Beschränkungen die Glücksspielunternehmen direkt treffen, fordert die Labour-Partei in ihrem Manifest auch ein generelles Umdenken im Umgang mit der Glücksspielsucht. So müsse diese als gesellschaftliches Gesundheitsproblem eingestuft werden, fordert die Partei. Auf diese Art und Weise könne man den Betroffenen dann deutlich effektiver helfen. Im Detail heißt es hierzu im Manifest: „Wir werden durch Drogen verursachte Todesfälle, alkoholbedingte Gesundheitsprobleme und die negativen Auswirkungen des Spiels als Angelegenheiten der öffentlichen Gesundheit bewerten, die mit erweiterten Möglichkeiten für die Suchtbekämpfung behandelt werden.“ So könne man gleichzeitig auch erreichen, dass die Gesellschaft bei dieser Thematik noch deutlich sensibler werde.

    Wiederum direkt betroffen sind die Glücksspielunternehmen von einem anderen Vorschlag der Partei. Dieser dürfte in den Chefetagen allerdings für deutlich weniger Begeisterung sorgen als bei den Angestellten. Denn: Die Partei fordert, dass die Unternehmen künftig eine Art Fonds einrichten, in welchen zehn Prozent der Gewinne eingezahlt werden. Dieser Fonds soll wiederum dafür genutzt werden, um die Mitarbeiter künftig stärker an den Erfolgen der Arbeitgeber beteiligen zu können. Insgesamt kann das Manifest damit als durchaus interessant bezeichnet werden, auch wenn viele Punkte der Branche sicherlich nicht gefallen können. Wie die Chancen auf eine Umsetzung der neuen Ideen stehen, lässt sich bisher noch nicht sagen. Hierfür ist erst einmal entscheidend, welches die Wahlen in Großbritannien am 12. Dezember hervorbringen.

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