bet365: Brexit-Krise sorgt für Job-Beben bei bet365

    Die Brexit-Krise dominiert seit Monaten nicht nur die europäische Politik, sondern auch zahlreiche Wirtschaftszweige. Einer davon ist das Glücksspiel, denn bekanntermaßen kommt ein großer Teil aller in Europa tätigen Glücksspielanbieter aus Großbritannien. Über die britische Enklave Gibraltar bieten diese in der Regel ihre Portfolios dann auch in Deutschland an. Etwas ähnliches gilt für den britischen Glücksspielriesen bet365. Die gute Nachricht für alle Mitarbeiter auf Gibraltar: Die Enklave soll weiterhin eine Heimat bleiben. Die schlechte Nachricht: Der Verbleib wird eine Menge Arbeitsplätze kosten.

    Komplett-Umzug nach Malta vom Tisch

    In den letzten Monaten haben aufgrund der Diskussionen rund um einen möglichen Brexit gleich mehrere Glücksspielunternehmen mit dem Gedanken sympathisiert, einen Umzug aus Gibraltar nach Malta zu verwirklichen. Auch der Glücksspielriese bet365 gehört dazu, wo man sich zunächst für eine geteilte Lizenz aus beiden Ländern entschieden hat. Dennoch war aber nicht klar, ob es möglicherweise künftig einen kompletten Umzug nach Malta geben wird. Dieses Thema kann jetzt offenbar geklärt werden. Wie die gibraltarische Regierung mitteilte, wird der Glücksspielriese seine Präsenz in der Enklave aufrechterhalten. Das allerdings bedeutet nicht, dass das Unternehmen in seinem bisherigen Umfang auf Gibraltar aktiv bleiben wird. Ganz im Gegenteil: Der Großteil der Arbeitsplätze, laut Anbieter rund 80 Prozent, soll von Gibraltar nach Malta verlagert werden. Nur ein Fünftel der bisherigen Arbeitsplätze soll künftig in den Büros in Gibraltar weiter besetzt werden. Bei rund 500 Mitarbeitern des Unternehmens in der Enklave bedeutet dies auf Gibraltar einen Abzug von rund 400 Stellen.

    Wie bekannt wurde, hat der Konzern vielen Mitarbeitern aus Gibraltar offenbar ein Angebot gemacht, um künftig auf Malta für das Unternehmen aktiv zu sein. Wie stark dieser Vorschlag von der Belegschaft letztendlich angenommen wurde, ist unklar. Allerdings schätzen Experten, dass sich die Begeisterung bei den Angestellten in Grenzen gehalten haben dürfte. Immerhin handelt es sich nicht gerade um nachbarschaftliche Regionen.

    Konzern betont Bedeutung der doppelten Lizenz

    Wie der Glücksspielkonzern mitteilte, habe es eine echte Debatte über einen möglichen Komplett-Umzug nach Malta zumindest intern niemals gegeben. Stattdessen hätte man schon immer die Absicht verfolgt, auch weiterhin in Gibraltar aktiv zu bleiben. Wie ein Sprecher gegenüber Medien mitteilte, erachte man den Standort auf Gibraltar vor allem für die Geschäfte in Großbritannien als sehr wichtig. Gleichzeitig betonte der Konzern die Bedeutung der zusätzlichen Malta-Lizenz für die Arbeit in anderen europäischen Ländern. Dass der britische Glückspielriese seinen Standort zumindest nicht komplett verlässt, ist für Gibraltar aus wirtschaftlicher Sicht ein nicht unbedingt großer, aber bedeutender Teilerfolg.

    Fabian Picardo, der als Chief Minister in Gibraltar tätig ist, erklärte in einem Statement: „Ich freue mich sehr darüber, dass sich bet365 gegen einen Abschied aus Gibraltar entschieden hat. Das sind sehr gute Nachrichten. Alber Isola und ich haben viel Zeit und Mühe investiert, um sie dazu zu bewegen, in Gibraltar zu bleiben. Ich bin sofort zu ihrem Hauptsitz in Stoke in Großbritannien gereist, um das Management des Unternehmens zu treffen, nachdem wir über dessen Entscheidung informiert worden sind, dass ein Teil des Geschäfts in Gibraltar verbleiben wird.“ Ebenso teilte der Experte mit, dass bet365 und generell die Glücksspielbranche in Gibraltar künftig wieder wachsen werden würden.

    Druck auf Gibraltar durch Brexit enorm

    Immer wahrscheinlicher scheint rund um den Austritt von Großbritannien aus der EU ein No-Deal-Brexit zu werden. Speziell für die britische Enklave Gibraltar wäre dies allerdings die wohl schlechteste Lösung. Besonders begünstigt wird die Wirtschaft des Landes dadurch, dass man sich relativ früh dem Glücksspiel gegenüber geöffnet hat. So haben sich nach und nach zahlreiche Glücksspielunternehmen in de Enklave angesammelt und haufenweise Arbeitsplätze geschaffen. Gut 10.000 Menschen arbeiten hier für die Casinos und Wettanbieter, die dem Land insgesamt zu einer enorm ausgeglichenen Wirtschaftslage verholfen haben. Genau die droht jetzt allerdings zu wackeln, denn ein No-Deal-Brexit könnte eben jene 10.000 Arbeitsplätze massiv bedrohen. Dass Es sich hierbei auch keinesfalls nur um eine künstliche Panik handelt, zeigt die jüngere Vergangenheit. Bereits mehrere Unternehmen haben sich dazu entschieden, ihren Standort aus Gibraltar nach Malta zu verlagern. Abgesehen von den Arbeitsplätzen leidet so auch die generelle Wirtschaft des Landes, welche nicht unwesentlich durch die Abgaben der Casino-Anbieter gefördert wird.

    Viele der Angestellten auf Gibraltar wohnen zudem in Spanien und pendeln regelmäßig zwischen Gibraltar und Spanien hin und her. Auch hier könnte es Probleme geben, denn ein No-Deal-Brexit wäre vermutlich auch mit der Einführung von Grenzkontrollen verbunden. Für die zahlreichen Pendler dürften diese massive Auswirkungen haben und die Wartezeiten an den Grenzübergängen deutlich erhöhen. All das scheint die britische Politik derzeit allerdings nicht sonderlich zu stören, denn die Befürworter des No-Deal-Brexits haben in den letzten Tagen und Wochen wieder an Aufwind gewonnen. Sollte dieser tatsächlich durchgeboxt werden, dürften die Einschränkungen also auf Gibraltar massiv zu spüren sein. Ob sich angesichts der drohenden Entwicklung künftig auch noch andere Anbieter zu einem Umzug bzw. Teilumzug entscheiden werden, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Unwahrscheinlich wäre dies allerdings nicht.

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